Ehrengäste 2003

Larry Niven

Larry NivenLarry Niven
kam 1938 in Kalifornien zur Welt, wo auch viele seiner Geschichten spielen. Sein vollständiger Name ist Laurence van Cott Niven. Der Sohn eines Anwalts ist Mit-Erbe einer Ölraffinerie, in deren Aufsichtsrat er sitzt und deshalb nicht auf Einkünfte als Autor angewiesen. Er studierte ab 1956 in Kalifornien am Institute of Technology und in Washburn an der University of Kansas Mathematik und Physik. In Washburn machte er 1962 seinen Bachelor of Arts. Seinen ursprünglichen Plan, Mathematiker zu werden, gab er jedoch auf. Bereits ein halbes Jahr nach Beginn des Studiums hatte er einen Buchladen entdeckt, der alte SF-Magazine in den Regalen stehen hatte. 1964 erschien seine erste Kurzgeschichte „The Coldest Place“ im Magazin If.
In den nächsten zehn Jahren entwickelte Niven eine ungewöhnlich genau ausgefeilte Future History, der er den Namen Tales of Known Space gegeben hat. Den Anfang machte er 1966 mit dem Roman World of Ptavvs (dt. Die Welt der Ptavvs). Ein lange in Stasis gehaltener Außerirdischer bedroht darin die Existenz der Erde. In Protector (1973, dt. Brennans Legende) erklärt Niven den Ursprung der Menschheit und den Grund für ihre noch nicht zufriedenstellende Entwicklung. Der Zyklus setzt sich mit A Gift from Earth (1968, Ein Geschenk der Erde) fort, worin es um einen Aufstand auf einer von Menschen kolonisierten Welt geht.
1970 schließlich kam Ringwelt heraus. Dieser mit dem Hugo und dem Nebula-Preis ausgezeichnete Roman dreht sich um die Erforschung eines Objekts, dass in den Dimensionen einer Dyson-Sphäre entspricht. Mit einem Radius von 152 Millionen Kilometern und einer Breite von Anderthalb Millionen Kilometern hat der Ring in seiner Innenfläche 3 Millionen mal so viel Platz zu bieten, wie die Erde. Menschen und andere Spezies erkunden dieses gewaltige verlassene Artefakt gemeinsam. Die schiere Größe des Objekts machte Ringwelt zu einem Klassiker der Ideen-SF. In Deutschland wurde für Tales of Known Space daher der Name „Ringwelt-Zyklus“ geprägt. Die direkte Fortsetzung ist Ringworld Engineers (1980, dt. Die Ringwelt-Ingenieure). Ein Nebenstrang des Zyklus sind die Kzin-Kriege, eine Shared World rund um den Konflikt der Menschen mit katzenartigen Wesen, an der sich mehrere namhafte Autoren beteiligt haben.
Bekannt sind auch die Bücher, die Niven zusammen Jerry Pournelle geschrieben hat, in Deutschland insbesondere die farbige Space Opera The Mote in God's Eye (1974, dt. Der Splitter im Auge Gottes), der Katastrophenroman Lucifer's Hammer (1977, dt. Luzifers Hammer) und die spannende Invasionsgeschichte Footfall (1985, dt. Saturn minus sechs oder Fußfall). Eine weiterer Roman des Ringwelt-Zyklus mit dem Titel Ringworld's Children ist zur Zeit in Arbeit.
Larry Niven gilt als Erneuerer der amerikanischen Space Opera. Die Grandiosität seiner Entwürfe und der schiere Spaß am Fabulieren dürfte spätere Autoren wie etwa Greg Bear, J. Paul McAuley und Roger MacBride Allen inspiriert haben. In Nivens Büchern haben Aliens einen prominenteren Platz als in den Homozentrischen SF-Erzählungen zuvor. Der technische Einfallsreichtum des Menschen wird als etwas Gutes dargestellt, dass die ganze Spezies voranbringen kann. Niven hat sich privat mit einigen Kollegen für ein ehrgeizigeres Raumfahrtprogramm eingesetzt und dabei oft Einfluss auf Industrie und Politik genommen. Sein ganzes Schaffen spiegelt die Idee wieder, dass im Weltraum große Wunder darauf warten, entdeckt zu werden.
Ausführliche Informationen über den Autor gibt es unter http://www.LarryNiven.org/.

Barbara Slawig

Barbara SlawigBarbara Slawig
wurde 1956 in Braunschweig geboren. Sie ist im Sauerland aufgewachsen und studierte Biologie in Bochum. Nach einjährigem Forschungsaufenthalt in Großbritannien wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in ihrer heutigen Heimat Berlin. Sie forschte im Bereich medizinische Mikrobiologie und Immunologie, ehe sie sich 1986, direkt nach ihrer Promotion aus der Wissenschaft zurückzog. Danach arbeitete sie u.a. als Lehrerin für Tai-chi-chuan. Seit 1990 ist sie freie Übersetzerin und Autorin. Übersetzt hat sie beispielsweise die „Trigon“-Trilogie von Michael P. Kube-McDowell und Datafat von Simon Ings. Kurzprosa von ihr erschien u.a. in Isaac Asimov's Science fiction Magazin und in Der Rabe – Magazin für jede Art von Literatur.
Große Aufmerksamkeit erregte Barbara Slawig mit dem Roman Die lebenden Steine von Jargus, der 2000 im Haffmanns-Verlag erschienen ist. Das Buch beschreibt eine Nachkriegssituation: Die junge Republik Volga hat sich vom Synarchon abgespalten, einem gewaltigen, verkrusteten Staatenbund, der von Computern regiert wird. Diese hatten einst die Erforschung der titelgebenden „lebenden Steine“ als zu unwichtig erachtet. Diese Steine sind nichts anderes als eine auf Silizium beruhende fremde Lebensform, die auf dem Planeten Jargus gefunden wurde. Nachdem die Republik Volga auf dieser Welt die Kontrolle erlangt hat, kann mit ihrer Erforschung endlich begonnen werden. Doch dann spielen die Computer verrückt. Ein junger Kommissar namens Woolf soll die Ursache ermitteln. Handelt es sich wirklich nur um einen Störfall oder hat das Synarchon Sabotage-Akionen gestartet? Neben Woolf taucht auch die Computerspezialistin Jeanne Andrejew auf Jargus auf. Sie war während des Krieges desertiert und kehrt nun zurück. Woolf fühlt sich zu ihr hingezogen, weiß aber nicht, ob er ihr trauen kann. Ein spannendes Katz- und Maus-Spiel beginnt.
Mit diesem Buch gelang es der Autorin, wissenschaftliche Präzision und lebendige Charaktere mit Spannungselementen zu verbinden, die ohne vordergründige Aktion auskommen. Ein Romanauszug findet sich hier.
Die Homepage von Barbara Slawig findet man unter http://home.snafu.de/jargus/.